Eine gesunde Belegschaft ist die Bedingung für Erfolg

Interview mit Prof. Dr. Axel Olaf Kern *, Hochschule Ravensburg-Weingarten

Gesunde Mitarbeiter steigern auf jeden Fall die Produktivität. Für Prof. Dr. Axel Olaf Kern von der Hochschule Ravensburg-Weingarten ist Gesundheitsmanagement deshalb auf jeden Fall ein Gewinn: „Eine gesunde Belegschaft ist die notwendige Bedingung für Erfolg.“ Hier der zweite Teil des Interviews mit dem Experten für Gesundheitsökonomie.

Welche Vorteile hat ein betriebliches Gesundheitsmanagement für ein Unternehmen – neben den zurückgehenden Fehlzeiten? Kann man zugespitzt sagen: Gesundheitsmanagement steigert den Gewinn?

Prof. Axel O. Kern: Gesundheitsmanagement ist ein Gewinn – ohne Frage! Eine gesunde Belegschaft steigert in jedem Falle die Produktivität und bildet somit die Voraussetzung für ein erfolgreiches Unternehmen. Natürlich entscheiden auch Marktlage und Kostenstruktur des Unternehmens über dessen Gewinn, selbst wenn das Humankapital optimal aufgestellt ist. Eine gesunde Belegschaft ist d i e notwendige Bedingung für Erfolg. Und Fluktuations-, Wiedereingliederungs- und Krankheitskosten werden in jedem Fall vermieden.

Vertreter von Krankenversicherungen behaupten sogar, dass betriebliches Gesundheitsmanagement eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Wer außer Mitarbeiter und Unternehmen profitiert noch davon?

Prof. Axel O. Kern: Wir können, wie ich es zu formulieren pflege, Gesundheit als Bestandteil der Infrastruktur verstehen. Dies kann daraus abgeleitet werden, dass eine gesunde arbeitsfähige Bevölkerung grundsätzlich das Wohlergehen im Staat ermöglicht, auch für diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer, nicht erwerbsfähig sind und somit nicht selbständig für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Insofern ist Gesundheit natürlich nicht auf die arbeitende Bevölkerung und die Unternehmen beschränkt. Vielmehr ist auch eine gesunde Kindheit und Jugend ebenso wichtig wie gesundes Altern sowohl für Lebensqualität des Einzelnen als auch für die Kosten, die letztlich alle tragen müssen.

Stimmt die Aussage: Arbeit fördert die Gesundheit? Wenn ja, was muss im Betrieb zur körperlichen Gesundheit noch hinzukommen?

Prof. Axel O. Kern: Wie wir aus Untersuchungen wissen, schafft Arbeit für die Menschen eine erforderliche Tagesstruktur, die mit zu seelischem Wohlbefinden beiträgt. Arbeit bedeutet auch sinnstiftenden Lebensinhalt, solange Arbeit nicht nur als Job betrachtet wird, der zum reinen Einkommenserwerb dient. Mitarbeiter, die emotional beteiligt sind, denken mit und lösen Aufgaben kreativ, die sonst aufwendig formal geregelt werden müssten. Deshalb muss im Betrieb noch vor der körperlichen Gesundheit auf die geistige Gesundheit im Sinne von Motivation und Beteiligungsfreude geachtet werden. Wer sich respektiert, wertgeschätzt und an den Prozessen und am Ergebnis beteiligt empfindet als Person und als Mitarbeiter wird nicht krank. Die weit überwiegenden Ursachen von Krankheiten sind Langeweile, Frustration oder Überforderung im Unternehmen. Gerade auch deshalb gilt es nun, die psychische Gefährdungsbeurteilung entsprechend dem Arbeitsschutzgesetz in den Unternehmen durchzuführen.

* Dr. Axel Olaf Kern ist Professor für Gesundheitsökonomie, Sozial- und Gesundheitsmanagement, Sozialpolitik sowie Volks- und Betriebswirtschaftslehre. An der Hochschule Ravensburg-Weingarten betreut er den Studiengang „Gesundheitsökonomie“. Dieser ist einmalig in Baden-Württemberg. Der Studiengang beschäftigt sich mit der Frage, wie die wachsende Nachfrage im Gesundheitsmarkt finanziert werden kann. Dazu gehört auch die Frage, wie Unternehmen und Berufsgruppen zusammenwirken können, damit Krankheiten gar nicht erst entstehen.

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