Flexibilität bringt keinen Freiraum

Flexible Arbeitszeiten führen häufig nicht zu ausgeglichenen Mitarbeitern – im Gegenteil.

Die Personalchefs vieler Unternehmen müssen umdenken. Galt bislang die Einführung von flexiblen Arbeitszeiten als besonders gut geeignetes Mittel, um die richtige Balance zwischen Arbeit und Leben zu finden, so warnen Experten jetzt sogar davor. Ihr Credo: Ein fester Arbeitszeitrahmen schützt mehr vor Überarbeitung, als flexible Modelle Freiraum schaffen. Übersetzt heißt das: Freiere Arbeitszeiten fördern den Prozess der Selbstausbeutung, statt gesundheitsfördernd zu wirken.

Diese Erkenntnis bedeutet natürlich auch, dass unsere aktuelle Arbeitskultur überdacht werden muss. Den Mitarbeitern werden zu wenige Handlungsspielräume gegeben, die sie eigenverantwortlich nutzen können. Die Flexibilität, die heute häufig angeboten wird, hat lediglich eine Alibi-Funktion. Die reine Anwesenheit wird oft immer noch höher bewertet, als das konkrete Arbeitsergebnis. Viele Kollegen trauen sich deshalb gar nicht, früher zu gehen oder später zu kommen.

Mehr echte Selbstbestimmung der Mitarbeiter, frei von überholten Verhaltensregeln, würde weiterhelfen. Es soll Firmen geben, die auf der Terrasse des Firmengebäudes bequeme Stühle aufgestellt haben, aber wenn sich Leute dort mit ihrem Laptop hinsetzen, lästern die Abteilungsleiter.

Für eine neue Unternehmenskultur braucht es das Vertrauen der Chefs. Doch in diesen Etagen gilt häufig noch der Grundsatz: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

Hat ein Chef die Gesundheit seiner Mitarbeiter im Blick, dann sollte er diesen Grundsatz überdenken.

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